Gedenkort Außenlager Klinkerwerk

Gedenkort Außenlager Klinkerwerk

2015
  • Gutachterverfahren
  • mit Kamel Louafi / Louafi Landschaftsarchitekten

„Es trabt sich schwer im märkischen Sand, aber uns peinigen Gebell und Kläffen mehr als der unwegsame Weg. Da drüben eine Brücke, unter ihr fließt der Kanal. Das ist die Mark, unsere Mark, durch die wir so oft gewandert sind. Unten am Kanal stehen Zivilisten. Die müssen doch sehen, wie man ihre Volksgenossen treibt, schlimmer, als jede Herde Vieh getrieben wurde.“

(Hans Reichmann, ehemaliger deutscher jüdischer Häftling, 1939)

Annäherung (Skulpturen: Stuart Wolfe und Schüler)
Gedenkort - mit Blick Richtung Lehnitzschleuse im Oder-Havel-Kanal
Beitrag für Gutachterverfahren zur Gestaltung eines Gedenkortes für das Außenlager Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen, Oranienburg, 1. Preis

Das Hafenbecken am Hohenzollernkanal bietet im Jahr 2014 einen durch das Wachstum der umgebenden Sukzessionsvegetation und Forste zunehmend idyllisch anmutenden Ausblick auf Wasser, Wälder und Brücken; ein Ort dem man bei Ausflügen begegnet - unbenommen von der Tätigkeit des hier auch aktiven Baustoffhändlers; am gegenüberliegenden Ufer führt der Radwanderweg Berlin-Kopenhagen entlang. Wer die Geschichte des Ortes nicht kennt, ahnt kaum, dass sich hier das zum Konzentrationslager Sachsenhausen gehörende Außenlager Klinkerwerk befand, in dem Tausende durch den Terror der Nationalsozialisten ermordet wurden.

Dem vorliegenden Konzept für den Gedenkort Klinkerwerk geht es um die Sichtbarmachung und Aufmerksamkeit gegenüber den historischen Spuren. Stahlwände werden vor der Kaimauer dort installiert, wo früher die Lastkähne, die von den Gefangenen beladen werden mussten, anfuhren und vertäut waren.  Die Stahlwände stellen sich dem Ausblick in den Weg und richten den Focus auf die Figuren von Stuart Wolfe am gegenüberliegenden Ufer; über die Raumbildung wird die Hinwendung zum Gedenkort gefördert.

Relikte und vorhandene Gestaltungselemente werden einbezogen und betont: Die Fundamentreste des Wachturms sind von mindestens 3 m hohen, weiß beschichteten Stahlstangen umgeben, die den Standort des ehemaligen Turms weithin sichtbar machen. Das bestehende Denkmal aus Klinkersteinen wird gesäubert und in eine Betonfläche integriert, umgeben von einer eingegossenen Inschrift; die Geländeoberfläche am Gedenkort wird mit sandgrauer wassergebundener Wegedecke hergestellt. Bänke im Schatten des großen Baumes ermöglichen ein Innehalten.  Die lange Stahlwand erhält eine Inschrift, die das Anliegen des Ortes verdeutlicht (z.B. unter Einbeziehung des oben aufgeführten Zitates von Hans Reichmann). Weitere Informationstafeln in Ergänzung zu der bereits bestehenden Stele am Wasser könnten, wenn gewünscht, in das Gelände integriert werden. Kranzniederlegungen können sowohl vor der langen Stahlwand als auch am Denkmal aus Klinkersteinen erfolgen. Teilnehmer an Gedenkveranstaltungen können im Schatten des großen Baumes in Blickrichtung Stahlwand Platz finden oder wie bisher zu dem Denkmal aus Klinkersteinen orientiert. Der Standort der Redner richtet sich nach der für die Teilnehmer gewählten Blickrichtung.

Das Konzept für den Gedenkort Klinkerwerk lehnt sich bewusst an den Umgang mit dem Konzentrationslager Sachsenhausen an. Die Wiedererkennbarkeit des Zusammenhangs der Lagereinrichtungen und die Einbindung in den Geschichtspark ließen sich längerfristig z.B. durch eine Einfriedung des Zuganges entlang der Zufahrtstraße mittels Mauerscheiben wie im Hauptlager und eine Herrichtung des Zugangsweges in wassergebundener Wegedecke betonen.